In den letzten Tagen hat neben den Wahlen für die Bürgerschaft in Hamburg eine weitere sehr brisante Nachricht die deutschsprachige Netzgemeinde aber auch die Offline-Welt mit voller Wucht getroffen. Der “weisse Ritter” der CSU, Freiherr von und zu Guttenberg wurde mit den Fingern im Süssigkeitentopf erwischt. Nein, nicht dass er jetzt etwas geklaut hätte. Der deutsche Verteidigungsminister hat sich eher beim raubmordkinderschändenkopieren erwischen lassen, und nein, er ist offensichtlich nur an ein paar Stellen mit Copy & Paste in Berührung gekommen, nein, im Moment sind 72,77 % der Seiten seiner Arbeit identifiziert die ohne die passenden Quellenverweise auskommen.1

Warum schreibe ich auch noch etwas dazu? Nachdem RA Stadler über die rechtlichen Konsequenzen und auch über die Erklärungsnot von Prüfungsämtern geschrieben hat,2 wollte ich noch meine Sicht auf diese Erklärungsnot und auf die grundlegenden Probleme der Copyrightverletzungen im Kontext der Piratenpartei erläutern.

Was mich an der ganzen Situation prinzipiell stört, ist dass es Guttenberg offensichtlich sehr leicht gemacht wurde von der Uni Bayreuth. Der damalige Doktorand musste bei Abgabe seiner Promotionsschrift nur eine ehrenwörtliche Versicherung abgeben. Dass dieses Ehrenwort dem Gesetz nun mal unbekannt ist, führt dazu dass es nicht strafrechtlich relevant ist ob er es bricht. Politisch sollte es trotzdem relevant sein, weil kann man als Bürger einem Politiker vertrauen der sich nicht nur seinen Titel durch raubmordkinderschändenkopieren erschleicht, sondern sich auch noch sehr plump mit Lügen verteidigt? Der Clou bei dieser Sache ist, dass ich an der Universität des Saarlandes bereits für die Ausarbeitung meiner Seminararbeit eine eidestattliche Versicherung abgeben musste und genau diese auch wieder bei der Bachelor-, Master- und eventuellen Promotionsarbeit fällig wird.

Hiermit versichere ich, dass ich die vorliegende Seminararbeit selbstständig und ohne unerlaubte Hilfe angefertigt und andere als die in der Seminararbeit angegebenen Hilfsmittel nicht benutzt habe. Alle Stellen, die wörtlich oder sinngemäß aus anderen Schriften entnommen sind, habe ich als solche kenntlich gemacht.

Überschrieben war das ganze mit Eidesstattliche Versicherung und lässt mich dann schon wundern warum die Uni Bayreuth nicht das gleiche von ihren Doktoranden verlangt?

Ich möchte aber auch noch kurz auf den Kontext der Piratenpartei zu sprechen kommen. Mit diesem Thema hat sich auch Andi Popp in einem Blogpost mit dem Titel “Warum Guttenberg kein Pirat ist”3 beschäftigt und erklärt nochmals den Unterschied zwischen Privatkopie und einer Kopie zur Bereicherung. Ich möchte diesen Gedankengang noch ein wenig weiter führen und gehe sogar soweit, dass Guttenberg hier nicht nur einmal, sondern gleich doppelt von seinem Copy&Paste-Wahn profitiert hat. Guttenberg hat sich Dank dem Kopieren nicht nur einen Doktortitel erschlichen der doch so gut zu seinem Adelstitel passt, den er noch führen darf obwohl der Adel abgeschafft ist, sondern er hat die Schrift auch noch als Buch herausgebracht was bei einem Preis von um die 80€ und dem medialen Hype um das Buch im Moment sicher auch nochmals einen Gewinn abwerfen wird. Wenn ich ihm die Privatkopie für das Erschleichen eines Doktortitels noch durchgehen lassen würde, ist ja immerhin für einen persönlich, so hat er sich spätestens mit dem verkaufen seines “Werkes” als Raubmordkinderschänderkopierer geoutet und sollte mit der ganzen Härte des Gesetzes bestraft werden.

Wie Andi auf seinem Blog sehr richtig schreibt:

[...] wir wollen das Urheberrecht nicht über Board[sic!] werfen, wir wollen es reformieren

Und genau dieses Zitat trifft es auf den Punkt, so lange unter anderem aus der CDU/CSU Stimmen kommen die, im Sinne der Contentfaschisten, nach mehr Kontrolle im Netz und härteren Strafen gegen Raubmordkinderschänderkopierer schreien, so lange soll auch Guttenberg abgestraft werden. Ganz davon abgesehen dass es wirklich schwierig werden dürfte, nicht nur an den Universitäten, den Unterschied zwischen “gutten(berg)” Kopieren und schlechtem Kopieren zu erklären.

Mich wundert, dass noch niemand der CDU/CSU-Fraktion nach ACTA oder INDECT schreit um solche Verstösse schneller aufzudecken oder auch noch härter zu bestrafen. Weil wenn Guttenberg die Arbeit zu Hause geschrieben hat, dann dürften die three-strikes doch erreicht sein, oder nicht?

Quellen
  1. http://de.guttenplag.wikia.com/wiki/GuttenPlag_Wiki []
  2. http://www.internet-law.de/2011/02/das-wissenschaftsplagiat.html []
  3. http://andipopp.wordpress.com/2011/02/18/warum-guttenberg-kein-pirat-ist/ []