Die Piratenpartei Luxemburg hat am 13. Februar eine Pressemitteilung1 versendet in der wir die Forderungen die Robert Weber (CSV) am 27. Januar zum ersten Mal und am 12. Februar zum zweiten Mal gestellt hat als absurd zurückweisen.

Was hatte der 55-jährige CSV-Abgeordnete2 und LCGB-Vorsitzender3 getan um die Aufmerksamkeit der Piraten auf sich zu ziehen? Es ist ganz einfach, er hat etwas gefordert, was zum wiederholten Male die Unwissenheit einer ganzen Politikergeneration im Umgang mit dem Internet belegt, er hat die Abschaffung der anonymen “Leserbriefe” im Internet gefordert!4

Dass Anonymität im Internet wichtig ist, wussten die Piraten bereits vor den Umstürzen in Tunesien, Ägypten, Lybien, Iran etc pp. Doch bisher hat sich die westeuropäische Zivilgesellschaft ja immer noch von diktatorischen Machthabern dahingehend unterschieden, dass bei uns weder eine offizielle Zensur (ZugEschwG, HADOPI usw mal ausgenommen) noch eine Totalüberwachung (VDS auch hier ausgenommen) möglich und gewünscht war. Dass Weber jetzt die Abschaffung der Anonymität fordert zeigt nicht nur dass er das Prinzip der IP-Adressen und der Funktionsweise des Internets nicht durchschaut, sondern es legt auch eine krasse Missachtung von elementaren Rechten an den Tag. In Luxemburg darf man zwar von seinem Recht auf freie Meinungsäusserung frei Gebrauch machen, doch garantiert niemand dass man damit nicht doch in Teufels Küche kommt. Gerade in einem Land wo jeder, jeden kennt ist es wichtig seine Meinung auch anonym kundtun zu können. Dass es ausgerechnet Jean Nicolas, ein selbsternannter “Enthüllungsjournalist”, es anders sieht5 enttäuscht dahingehend, dass er doch wissen müsste dass man in Luxemburg eben nicht unbedingt vor Repressionen sicher ist wenn man frei seine Meinung äussert.

Im Gegensatz von Nicolas oder Weber, sehe ich keinen Grund, durch Anonymität im Internet, die Grundfesten unserer Gesellschaft zu erschüttern, sondern ich denke, dass es eher zu einer Vermehrung der Meinungen führt und auch kontroverse Themen offener angesprochen werden. Auch wenn Sacha Lobo nicht unbedingt Recht hat wenn er sagt:

Denn zu einer digitalen Beleidigungskultur gehört, Beschimpfungen auszuhalten, Herabwürdigungen hinzunehmen und Schmähungen zu ignorieren.6

So hat er doch Recht dass wir uns nicht zu wichtig nehmen sollten im Netz. Es gibt einen Spruch der schon etwas älter ist und noch immer im Netz seine Anwendung findet, er lautet, wie könnte man es anders erwarten:

Don’t feed the trolls

Das heisst übersetzt ja nichts anderes, als ignoriert doch diese Trolle die die Netiquette nicht kennen oder missachten, ignoriert sie aber gebt ihnen auf keinen Fall einen Grund weiterzumachen. Diese Kleingeister sind nur so lange groß und wichtig wie wir, die Mehrheit der Netzbevölkerung sie zu dem machen, wenn wir sie ignorieren dann verschwinden sie wieder in ihrer Versenkung als wäre nie was gewesen. An sich müsste ich gleichfalls mit Weber, Nicolas und Konsorten verfahren, nur dass diese Menschen ungleich schlimmer als der Durchschnitts-Netz-Troll sind. Der eine sitzt im Abgeordnetenhaus und der andere betreibt mehrere Medien, alleine deswegen sind diese Menschen gefährlicher und wir müssen uns klar positionieren.

Anonymität im Internet ist wichtig, weil …

  • … die Kommentatoren nur so vor Repression geschützt werden
  • … sie trotzdem keine Strafermittlungen verhindert
  • … eine gesunde Demokratie auch Anonymität überlebt (unsere Wahlen sind ja auch nicht ohne Grund anonym!)
  • … es nicht auf den Schreiber sondern auf den Inhalt ankommt

Ich hoffe inständig, dass solche Forderungen nicht mehr lange Bestand haben, weil wenn sie denn umgesetzt würden, müssten wir eine Totalüberwachung im Netz fürchten. Denn wie will Weber sicherstellen dass auch jeder sich authentifiziert? Müssen wir in Zukunft zuerst unseren Ausweis in den Rechner stecken ehe wir online gehen dürfen?!? Und wie sollen solche Regeln im internationalen Kontext funktionieren? Will Weber gar ein LuxemburgNet schaffen das unabhängig von Internet besteht? Und Luxemburger dürfen nur noch authentifiziert darauf zugreifen? Wie weit ist es dann noch bis hin zur Zensur und zu Repressionen weil man auf den falschen Webseiten gesurft hat? Ich weiss dieses Bild kommt manchen überspitzt vor, doch ich schreibe diese Zeilen am 28. Februar 2011, an dem Tag wo in Deutschland die Debatte um Netzsperren zumindest wieder ein Strohfeuer entfacht hat.7

In diesem Sinne: Don’t feed the trolls!

Quellen
  1. http://piratenpartei.lu/node/255 []
  2. http://www.chd.lu/wps/portal/public/FicheDepute?ref=22654 []
  3. http://lcgb.lu/fr/comite_executif []
  4. WMA-Link zum Interview []
  5. http://www.luxprivat.lu/News/Feiglinge!-Der-Sonntagskommentar-aus-unserer-Redaktion []
  6. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,745848,00.html []
  7. https://www.netzpolitik.org/2011/zensursula-reloaded-netzsperren-bereits-ab-marz/ []